„Das weiße Auge?“ – ein Nachwort

Im Orkenspalterforum habe ich einen Beitrag geschrieben in dem ich visualisiert habe wie oft welche Farbtone bei der Darstellung von Menschen vorkommt. Dieser Thread (enthält rechtes Geschwurbel) ist schnell ausgeartet und wurde schließlich nach 9 Seiten durch die Moderation geschlossen.

Es wurden mir aber noch einige Fragen gestellt und Worte an mich gerichtet, die ich nicht mehr dort beantworten kann.- Das will ich nun hier tun:

Tau fragt:

Werden Orks wirklich mit Indianern assoziiert? Warum den das? Wo sind hier die parallelen. Bitte um Aufklärung.“

Im aventurischen Almanach sieht man auf Seite 48 eine Prärielandschaft. Im Vordergrund ist ein Schwarzhäutige humanoide Figur zu sehen , die in eine Flicken-Decke oder Mantel gehüllt auf einem Pferd sitzt. Im Hintergrund kann man ein Tippi und mehrere Hütten wie z.b. Wigwams sehen.

Auf der selben Seite beginnt der Abschmitt „Orkland & Svelttal“ , dort steht „Das Svelltland ist an den Wilden Westen angelehnt“ auf Seite 49 geht es weiter „Für die Orks haben ihre Namensvetter aus „Der Herr der Ringe“ Pate gestanden. Ihre Jahrtausende alte Kultur wurde um abgewandelte Sagenelemente von Steppenvölkern wie Hunnen und Mongolen ergänzt.“

mich erinnert die Darstellung an sowas:

soll jeder selbst für sich entscheiden woran in das Bild im Almanach erinnert.

Tau meint außerdem:

Oder man kann ganz einfach akzeptieren, das Aventurien und DSA ein gewachsenes Setting ist. Ein Fantasy Setting. Nicht mehr und nicht weniger. Vollkommen unpolitisch in Bezug auf die Irdische Welt.

Bezüge zur irdischen Welt sind in im Aventurischen Almanach, wie exemplarisch zitiert, explizit vorhanden. Fantasybücher sind keine Pflanzen die von selbst wachsen sondern Menschenwerke. Wenn man sich als indigene Bevölkerung mit Bestien aus Mittelerde gemein gemacht wird, dann kann man durchaus Kritikpunkte haben. Egal ob das jetzt „Hunnen“ oder andere Gruppen betrifft. Das was DSA da macht ist vieles, aber nicht unpolitisch.

Lancaster91 reagiert auf meine Aussage „Ich glaube nicht, dass ihr böse seid oder Leute bewusst ausgrenzt.“ mit ist einfach falsch. Hier wird niemand ausgegrenzt.“

Lancaster versteht wohl einen impliziten Vorwurf auf den er sich verteidigt. Ich wollte explizieren, dass ich diesen Vorwurf nicht mache. Die beschriebene Darstellung von Steppenvölkern ist auf jeden Fall nicht einladend für Menschen, die sich diesen Kulturen verbunden fühlen. Ich sage: sie werden so ausgegrenzt. Solche Art von Negativdarstellung ist eine andere Art von Ausgrenzung als offene gewaltsame Menschenfeindlichkeit, das steht außer Frage. Aber es gibt eben viele Nuancen von Ausgrenzung. Es ist ein himmelweiter Unterschied ob man sich bewusst entscheidet verletzende Klischees zu bedienen oder ob man dies aus Unwissenheit tut. Nur eines ändert sich nicht: der Schmerz der Betroffenen.

Wenn ich politisch werden will kann ich jetzt auf diese Seite zurückgreifen. Ich halte die Entscheidung der Moderation, auf Orkenspalter.de hetze und rechte Rhetorik nicht zu löschen oder ihr wenigstens zu wiedersprechen für falsch.

Die Farben der Fantasie

Darstellung von Spielcharakteren in Rollenspielen

Wie bunt sind eigentlich die Spielwelten in Rollenspielen? Als Nerd mit Grundkurs in Python habe ich mir ein Script gebastelt, dass die Frage „messen“ soll.

Technische Umsetzung

Mit Hilfe der image.resize() Funktion aus der Pil Bibliothek wird das Eingangsbild auf einen Pixel herunter skaliert. Damit erhält man eine Durchschnittsfarbe für das Bild. Standardmäßig geschieht das mit Pixelwiederholung (nearest naighbor) . Der Kanal Computerphile hat dazu ein Video über Bildskalierung auf youtube (englisch) Diese Farbe speichern wird dann in einer Liste ab um sie anschließend Streifenweise, der Helligkeit nach geordnet, zu zeichnen.

Beurteilung der Methodik

Wie in der Sozialwissenschaft häufig der Fall, ist die Operationalisierung, also die „Messbarmachung“, des Untersuchungsgegenstandes ein Problem. Die Schwierigkeiten fangen aber früher an: Was soll „Vielfalt“ überhaupt heißen? Was will man hier erfassen? In dieser Arbeit werde ich auf den Aspekt beschränken: Wie variantenreich ist die bildliche Darstellung von spielbaren Figuren? Welchen Menschen wird eine Projektionsfläche angeboten, mit der sie sich identifizieren, also als ähnlich erkennen , kann? Um das zu messen habe ich mich für die Hautfarbe entschieden. Leider leben wir in einer Welt in der die Pigmentierung sozial relevant ist und Identitätsstiftend ist. Ich halte daher die durchschnittliche Hautfarbe eines Bildes für einen Aspekt der valide misst wie groß die Varianz an dargestellten Figuren zur Identifikation ist.

Bei der Erfassung dieser Durchschnittlichen Farben haben wir zwar einen „objektiven“ Algorithmus, aber die Bildausschnitte manuell gewählt. Ich habe mich bemüht immer eine möglich große Stelle Haut, ohne Kleidung oder Haare, zu wählen. Weiterhin versuchte ich sowohl die beleuchtete als auch die schattierte Teile der Figur zu erfassen. Da einfach nur Rechteckige Ausschnitte per Screenshot erfasst wurden, ist das nicht immer gelungen.

Einen Eindruck vom Einfluss können diese zwei Durchführen der Erfassung der Regionalbeschreibung „Das Dornenreich“ für „Das schwarze Auge“ vermitteln:

Das Dornenreich in 2 Versionen

Was fehlt ist auch eine Korrektur für die Lichtverhältnisse in der Bilddarstellung. Figuren im Dunkel werden z.B. auch bläulicher und Dunkel dargestellt. Die Mehrzahl der untersuchten Rollenspielpublikation stellt aber überwiegend Frontal und „neutral“ beleuchtete Figuren da.

Nicht berücksichtigt sind auch alle anderen Aspekte der Darstellung: Sind alle weiblichen Körper nackt? Sind alle dunklen Menschen als Sklaven dargestellt? Handelt es sich um eine Darstellung einer geschminkten Person?

Es handelt sich also lediglich um einen Aspekt der Frage der diversen Angebot zur Identifikation, der in der Farbgebung von Illustrationen erhoben werden kann. Es kann keinesfalls eine Beurteilung der Diversität oder Progressivität von Werken allein aufgrund der hier erstellten Farbpaletten getroffen werden.

Untersuchungsgegenstand

Untersucht habe ich Bücher die ich selbst besitze. Dabei habe ich mich auf digitale Werke beschränkt, um so Farbverfälschung beim scannen und auch ehrlich ganz einfach zusätzlichen Aufwand zu vermeiden.

Das schwarze Auge

Das Grundregelwerk der 5. Edition zeigt 159 mal eine menschliche Figur (Zwerge und Elfen eingeschlossen)Davon sind 81 weiblich und 18 sehen nicht aus wie weiße Europäer. Bei 11 Figuren war ich mir nicht sicher. Die Einordnung ist vollkommen subjektiv.

Splittermond

Farben in Splittermond

Datengrundlage war Grundregelwerk von Splittermond, das frei im Netz heruntergeladen werden

kann. Es wurden alle Spielbaren Figuren berücksichtigt also die Wolfsmenschen.

Sofort fällt im Vergleich zum DSA Grundregelwerk auf, dass der Relative Anteil von dunklen Farbtönen größer ist. Splittermond hat „nur“ 107 Abbildungen

Dungeons and Dragons

Es gibt kein PDF des Players Handbook, aber wohl eine Digitale Version, welche hier ausgewertet wurde. Von den 133 gefundenen Gesichtern, waren 14 schwarz/weiß Zeichnungen.

Mein Eindruck der Illustrationen bei DND ist, dass sie insgesamt sehr viel dunkler sind, auch gibt es sehr viel mehr Abwechslung in den Belichtungsverhältnissen. In der Welt von DND gibt es auch Teufel und Menschendrachen, die z.b. rote Haut haben.

Fate Core

Beim Fate Core System ist ein kostenloses PDF online verfügbar, wie zuvor schon bei Splittermond.

Alle Illustrationen, außer den Umschlagbildern sind monochrom. Es gibt 3 Darstellungen von Menschen mit dunkler Hautfarben. Alle stellen sie als Wilde aus dem Busch (S.11,S.19, S.169) da. Das sind rassistische Stereotype. Schwache Vorstellung für ein Universalsystem. Das kürze Fate Turbo hat einen dunklen Ikonischen Charakter, der ungleich häufiger Vorkommt, obwohl Turbo wesentlich kürzer ist als Fate Core.

Cthulhu

Auch das Grundregelwerk Cthulhu benötigt keine Analyse, denn alle Bilder zeigen im Sepiaton weiße Menschen. Die einzige „Person“ mit Dunkel haut ist ein Schrumpfkopf Auch zu sehen auf Seite 9 des Schnellstarters.

Lovecraft Jünger tun sich schwer sich mit dem Rassismus von der Person Lovecraft aber auch in seinem Werk kritisch auseinander zu setzen. Choasium könnte hier mehr tun.

Fazit

Weiße Männer haben sich daran gewöhnt immer und am meisten Dargestellt zu werden. Daraus ist eine Anspruchshaltung geworden, die sich entlädt wenn Disney eine dunkelhäutigen Meerjungfrau vorstellt oder ein Christkind einen, dass nicht strahlen weiß ist.

Für mich ist durch dieses Experiment vor allem klar geworden, dass die Farbgebung allein, keine nützliche Messung für Diversität ist. Was erkennbar ist vor allem das Art Design das Artdesign. Die Art Direktorin von „Das schwarze Auge“ erklärte auf der CCXP die Wahl von helleren Farben. Auf Youtube kann ein Mitschnitt des Vortrags abgerufen werden.

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