Geschlechter im Rollenspiel DSA

Die Erst-Autoren des bekanntesten deutschen Rollenspiels “das schwarze Auge“ haben bewusst Frauen und Männer in den Regeln gleich gemacht. Die Hälfte der Götter des zentralen Pantheons wurden weiblich geschaffen. Darauf ist man unter Fans häufig stolz.

Werner Fuch bei 23:49 „gibt zu“ mit Absicht Frauen gleich zu berechtigen

„Männer und Frauen sind Aventurien doch allgemeinhin gleichberechtigt“ wird oft als Turmschild gegen Kritik gegen Sexismus im Rollenspiel im Allgemeinen und bei DSA insbesondere in Stellung gebracht. Dieses Schild entpuppt sich bei näherer Betrachtung als improvisierter Buckler aus einem Nudelsieb. Es reicht nicht einfach nur in ein Buch zu schreiben „in dieser Welt ist Gleichberechtigung“.

Verkauft wurde diese 1995 wurde diese „Progressive Phantastik“ z.B. in einer Box mit diesem Cover:

Cover von Götter Magier und Geweihte, eine blonde,weiße Frau ist an eine Wand gekettet und trägt ein tiefgeschnittenes weißen Kleid, davor wird ein Dämon über einem Pentagram beschworen.

Eine Jungfer in Nöten auf dem Titelbild, da wusste der Spieleverlag Schmidt ganz sicher: hier sprechen wir Jungs und Mädchen gleichermaßen an!

Und weil eben schon immer viele junge Frauen davon angesprochen wurden, sehen heute die Ratcons auch heute aus wie die Jahreshauptversammlung der Männergesangsvereine in Deutschland.

Die Ästhetik der Ratcon im Jahre 2001

Der Tempel der Liebesgöttin Rahja wurde oft genug von Spielern als Hurenhaus interpretiert, in dem jeder Held der den Vorteil „Gutaussehend II“ vorweisen kann selbstverständlich sexuell von den Priesterinnen bedient wird. In den Büchern von DSA steht davon freilich nichts, passiert ist es beim geselligen Spieleabend unter Jungs aber oft genug, um langatmige Onlinediskussionen zu entfachen.

Für die Spielweise ihrer Kunden haben die Macher von DSA nicht die Verantwortung. Aber es sind Tatsachen, die DSA geprägt haben.

Auch die Geschichte innerhalb der Spielwelt zeigt ein anderes Bild. In der Geschichte der Spielwelt Aventurien, genauer gesagt im Mittelreich wurde nach der Geschichtsschreibung des Spiels die Kaiserwürde nach 1000 Jahren “wieder für Frauen freigegeben”. Das Verbot wurde zwar einfach nur für ein Abenteuer gebraucht; das ganze lässt sich aber dennoch nur schwer mit der beliebten Erzählung einer „von Anfang an egalitär angelegten Spielwelt“ vereinbaren, wie sie oft von Fans von DSA heute behauptet wird.

Die 5. Edition des Rollenspiels stellt im eigenen Regelband zu Sex Liebe und Romantik „Wege der Vereinigungen“ klar, dass aus Sicht der Author*innen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau eine „Utopie“(S.22 ebd.) ist. Das ist gut und schön. Eine gute Kritik zum Band von Judith Vogt & Henning Mützlitz ist auf Tor Online erschienen. Der Eindrücke ich inbesondere and dieser Stelle hier teile: „Tatsächlich befinden sich im Buch auch Texte zu den Themen Repräsentation und Akzeptanz – diese wurden allerdings so formuliert, als beschäftigten sich die Schreibenden zum ersten Mal damit.“

Die offizielle Facebookseite der Marke DSA findet bei der Auflistung der großen Helden Aventuriens genau eine Frau. Ist das Pech bei der Auswahl oder ist Aventurien doch auch eine Welt in der hauptsächlich großen Männer großes tun?

Das Symbolbild für DSA in seiner Außendarstellung auf Facebook ist ein weißer Mann. Dabei hat die Marke ein Logo, was es sonst einsetzt. Ist das jetzt schon böser, böser Sexismus und alle bei Ulisses müssen sich von Alice Schwarzer auspeitschen lassen? Nein natürlich nicht. Aber für eine Marke die sich als Phantastik mit Gleichberechtigung positionieren will, ist es zumindest ungeschickte Öffentlichkeitsarbeit.

Aber präsentiert der Verlag denn DSA überhaupt so? Zumindest wenn man auf dasschwarzeauge.de schaut, findet man (im Januar 2020) keine Erwähnung dieses „unique selling points“.

Man kann also DSA5 nicht vorwerfen es würde Erwartungshaltungen in die Richtung wecken. Ulisses hat nirgends eine progressive Spielwelt versprochen. Zumindest konnte ich keine Verlauftbarungen in die Richtung finden.

Klappentext: Es scheint das besondere Los schöner Prinzessinnen zu sein, von Zeit zu Zeit entführt zu werden. Andererseits ruft ein solch trauriges Schicksal unweigerlich alsbald einen mutigen Retter auf den Plan, nämlich Sie, lieber Freund, einen der letzten wahren Helden…
Wappen Sie sich – nicht nur mit Mut und Ihrem Lieblingsschwert, sondern vor allem mit Humor! Sonst werden Sie dieses Abenteuer kaum durchstehen können!

Wenn weiterhin in den Abenteuern öfter Frauen als Männer gerettet werden müssen, wenn die Illustrationen und Cover einen Male Gaze (männliche Perspektive), wenn in DSA Romanen Frauen und Männer sehr häufig klassische Rollen einnehmen, dann hat man vieles, aber keine progressive Fantastik-Welt. DSA ist ein Produkt von Bestandskunden für Bestandskunden. Im Wesentlichen sind das: weiße Männer die in den 80ern und 90ern jung waren. Zumindest beherrschen diese das Bild des Fandoms und die Kundenansprache. 

Die Idee vom fortschrittlichen DSA ist Verklärung. DSA war nie so sexistisch wie seine Entstehungszeit, aber in den letzten 30 Jahren wurde sich zu sehr darauf bequem gemacht. In Aventurien mag im wesentliche Gleichberrechtigung herrschen, die Autor*innen von DSA kommen jedoch merklich aus einer Welt wo das nicht der Fall ist. Unter DSA5 hat die Entwicklung wieder Fahrt aufgenommen und man kann optimistisch auf die weitere Entwicklung schauen.

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Zwei Männer spielen Bungeons and Dragons in einem Comic-Laden. Bild von Benny Mazur

5 Kommentare zu „Geschlechter im Rollenspiel DSA

      1. Dann hatten wir aber sehr unterschiedliche Eindrücke.
        Vielleicht hat es sich in Limburg geändert, wenn du bei einer der vorherigen warst, aber dort gab es durchaus einen merklichen Anteil von Frauen, queeren Menschen und Familien. Ich habe da schon Cons und allgemein Veranstaltungen mit deutlich höherem Männeranteil erlebt.
        Ich meine klar, dass du die Cons, Ulisses und ich glaube auch DSA eher schlecht finden willst und deswegen sehr defizitorientiert argumentierst. Aber die Überspitzung macht Entwicklungen in den letzten Jahren unsichtbar und verkürzt Prozesse in der Community. Es ist eben nicht exakt der Schritt „Cover aus den 80ern = keine Frauen auf speziell der RatCon“.
        Ich sehe schon, dass du eigentlich das richtig willst und ich glaube unsere Anliegen währen auch ähnlich. Aber du schreibst so antagonistisch, dass eins es richtig schlecht finden will, wenn eins DSA oder Ulisses Fan ist.
        Die RatCon ist immerhin eine der ersten Cons in Deutschland, vielleicht die erste richtig große (je nachdem, wie du die HeinzCon einschätzt), die eine Anti-Harassment-Policy hatte. Ich habe mich da als Frau sicherer gefühlt als auf vielen anderen. Es gab in Limburg 2019 kaum ein Panel oder Let’s Play ohne Frauenanteil auf der Bühne.
        Ulisses als Firma hatte erst eine trans Frau, dann eine Frau of color als Stimme ihrer Sozialen Medien. Ja klar kann man sie trotzdem kritisieren, aber es ist jetzt nicht der Verlag den ich mir als Feindbild aussuchen würde. Selbst wenn dein Aktivismus auf die Rollenspielszene beschränkt bleibt.

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      2. Danke für deinen ausführlichen Kommentar.
        Ich wünsche mir, dass es sich stetig bessert. Und ich hoffe die Diverität der Besucherschaft einfach nur übersehen zu haben. Auf allen Bildern, dich ich von der Ratcon ausmachen konnte habe ich aber über 80% Stammkunden gezählt. Ich beobachte aber auch oft eine selbst-segregation. Frauen stehen mit Frauen zusammen etc..

        Weder behaupte ich „keine Frauen“ noch das die Ratcon besonders ist in der Hinsicht „bunte Besucherschaft“. Und ja du hast recht der Text ist antagonisitsch, weniger geht es mir um Ulisses (die habe ja keines der genannt Beispiele zu verantworten) sondern um dem Selbstbetrug das DSA-Fandom sei irgendwie „schon immer ganz doll progressiv“ gewesen.

        Schön, dass du die Anti-Harassment-Policy hervor hebst, die kam zwar nicht wegen mir, aber gewünscht hatte ich mir auch eine und bei Ulisses hat man dann sich etwas dazu überlegt, vermutlich auch weil Menschen sich sowas gewünscht haben. Interessanter Thread zu dem Thema https://www.tanelorn.net/index.php/topic,105127.msg134572250.html#msg134572250 . Ich freue mich auch, dass du dich auf der Ratcon sicherer fühlst, scheinbar ja auch wegen so einer Policy.

        Das die Außendarstellung einen Einfluss darauf hat wer eine Tätigkeit ergreift wird hier plausibel gemacht: https://www.npr.org/sections/money/2014/10/21/357629765/when-women-stopped-coding

        Ulisses ist nicht mein Feindbild, es ist einfach nur der einzige Rollenspielverlag der mich nicht egal ist. Warum sonst würde ich mir die Mühe machen zu beschreiben wie sehr Anspruch und Wirklichkeit auseinander fallen?
        Bei mir entsteht vielmehr der Eidruck, dass man gerne mehr ändern möchte , aber eben auch dem konservativen Völkchen (einschätzung von Werner Fuchs) nicht vor den Kopf stoßen will, weil man eben davon lebt.

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      3. Im Internet erleben wir ja immer wieder „Hater“, die ihre Motivation aus Abneigung ziehen. Ich konnte bei dir nicht heraus lesen, ob das der Fall ist.
        Vielleicht hast du recht, dass sie aus Angst ihre Kundschaft zu Überfordern oft zu kleine Schritte machen.

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